
Sexualerziehung: ein Hebel zur Vermeidung von Teenagerschwangerschaften in Tansania
In Tansania trägt der Mangel an Sexualaufklärung zu frühen Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Infektionen bei den Jugendlichen bei. Enfants du Monde führt in Zusammenarbeit mit SolidarMed Programme zur Gesundheitserziehung durch, um den Jugendlichen die nötigen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie diese Situationen vermeiden und eine bessere Zukunft aufbauen können.
Unwissen und Tabus führen dazu, dass frühe Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten in Tansania weit verbreitet sind. Um dem abzuhelfen und das Gesundheitsministerium zu unterstützen, schliesst sich Enfants du Monde mit SolidarMed zusammen: Wir bringen unsere Expertise in der Gesundheitserziehung ein, während SolidarMed sich auf Gesundheitsdienstleistungen konzentriert. Erfahren Sie, wie unsere NGO pädagogisches Material erstellt und Jugendliche dafür ausgebildet hat, partizipative und auf Teenager zugeschnittene Kurse zu leiten.
Frühe Schwangerschaften
Zawadi ist 14 Jahre alt. Sie lebt in einem Dorf im Süden von Tansania, wo fast 40 % der Mädchen Mutter werden, bevor sie 19 sind.* In dieser Region gibt es kaum oder allenfalls mangelhaften Sexualkundeunterricht, kulturelle und religiöse Tabus bestehen nach wie vor und der Zugang zu Gesundheitszentren bleibt begrenzt. Vor zwei Jahren musste eine Freundin von Zawadi, die mit 13 schwanger wurde, die Schule abbrechen. Während der Geburt gab es Komplikationen mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit ihres Babys und ihre eigene – eine Folge von unzureichender Betreuung und leider kein Einzelfall in ihrer Gemeinschaft.
Kurse zu einem Tabuthema
Zawadi war überrascht, als sie zu Schuljahresbeginn erfuhr, dass Kurse über sexuelle und reproduktive Gesundheit angeboten wurden. Sie war neugierig und nervös zugleich, denn über diese Themen wird kaum gesprochen – weder mit Eltern noch mit Freundinnen. Die Idee dieser neuen Kurse war etwas völlig Neues.
Julius und Neema, zwei Jugendliche im Alter von 17 Jahren, wurden dazu ausgebildet, Sexualkundeunterricht für ein jugendliches Publikum zu geben. Sie sorgen dafür, dass sich alle einbringen und sich wirklich zuhören, sodass der Austausch interessanter und verständlicher ist als in einem klassischen Kurs, der von einem Erwachsenen gehalten wird, der vor den Schülern steht.
Bildung für die Zukunft
Im regen Gespräch herrschte eine offene und bestärkende Atmosphäre. Während der Kurse reden Julius und Neema offen – oft auch unter Zuhilfenahme von Bildern – über Themen wie Pubertät, Verhütung, Verwendung von Kondomen, Nein zu Drogen, Prävention von sexueller Gewalt oder Menstruation. Frühschwangerschaften und ihre schwerwiegenden Folgen wie Arbeitslosigkeit, frühe Eheschliessungen, Armut und Unsicherheit sowie die Stärkung des Selbstvertrauens und wie man sich gegen unerwünschte Annäherungsversuche wehrt, wird ebenfalls thematisiert. So wird die Fähigkeit junger Menschen gestärkt, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Diese Kurse haben Zawadi nicht nur informiert, sondern ihr auch das nötige Werkzeug gegeben, um für sich eine andere Zukunft zu schaffen: weg von den Zwängen, die ihr durch frühe Schwangerschaften und Tabus auferlegt wurden.
Anderes Land, andere Realität
Am anderen Ende der Welt, in der Schweiz, führt die ebenfalls 14-jährige Emma ein ganz anderes Leben. Dank einem soliden Gesundheitssystem hat sie Zugang zu umfassenden Informationen und anonymen Beratungsdienstleistungen im Bereich sexuelle Gesundheit. Schon in der Grundschule hat sie gelernt, ihren Körper zu verstehen, gesunde Beziehungen zu pflegen und fundierte Entscheidungen bezüglich ihrer Sexualität zu treffen. Durch die Kampagnen von Sexuelle Gesundheit Schweiz kennt Emma ihre Rechte und weiss, wo sie zuverlässige Informationen erhält. Im Gegensatz zu Zawadi kann sie offen mit ihren Freund*innen, Eltern und Lehrpersonen über diese Themen sprechen. Aber, obwohl es auch in ihrem Land nach wie vor Diskriminierungen gibt, weiß sie, dass sie die Kontrolle über ihren Körper und ihre Entscheidungen hat.
Sexualerziehung ist wichtig
Die Geschichten von Zawadi und Emma zeigen zwei gegensätzliche Realitäten: In Tansania musste Zawadi kulturelle und sogar religiöse Hürden überwinden, um Zugang zu lebenswichtigen Informationen zu erhalten. In der Schweiz ist Emma in einem System aufgewachsen, das ihr eigene Entscheidungen ermöglicht. Das Grundbedürfnis ist bei beiden dasselbe:
mit altersgerechten Informationen gesund aufwachsen.
Unsere NGO ermöglicht es Zawadi, wie Tausenden anderen Teenagern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wir unterstützen weiterhin Programme, die Mädchen in Tansania und anderswo die Werkzeuge an die Hand geben, um sich eine Zukunft aufzubauen, in der sie selbstbestimmt, sicher und informiert sind.
*Tanzania – Demographic and Health Survey and Malaria Indicator Survey 2022.

Meine Spende macht einen Unterschied
Ich schenke 8 Kindern in Burkina Faso ein zweisprachiges Schulbuch in Französisch und Mooré (lokale Sprache), damit sie in der Schule besser vorankommen.
Ich ermögliche 250 schwangeren Frauen in Bangladesch, sich auf die Geburt ihres Babys und die mit der Geburt verbundenen Risiken vorzubereiten.
Ich finanziere 10 Lehrer·innen in Guatemala eine Weiterbildung in zweisprachiger Erziehung, um die Qualität ihres Unterrichts zu verbessern.